Marketing und Vertrieb an einen Tisch bringen: So klappt es

Gemeinsame Ziele, klare Übergaben, ein einheitliches Lead-Verständnis: So bringst du Marketing und Vertrieb in der Praxis an einen Tisch.

8 Min. Lesezeit

Team am Holztisch mit Laptops: Marketing und Vertrieb arbeiten gemeinsam an einem Tisch

Foto: Redd Francisco / Unsplash

Marketing und Vertrieb arbeiten dann gut zusammen, wenn beide dieselben Ziele verfolgen, dieselbe Definition eines guten Leads nutzen und die Übergabe verbindlich geregelt ist. Fehlt eines davon, entstehen die bekannten Vorwürfe: Die Leads taugen nichts, sagt der Vertrieb. Der Vertrieb meldet sich nicht zurück, sagt das Marketing.

Meist liegt die Ursache weniger bei den Personen als bei fehlenden Absprachen. In diesem Beitrag lernst du, wie Marketing und Vertrieb in sechs Schritten zu einer gemeinsamen Arbeitsweise finden, welche Vereinbarungen wirklich zählen und wie du Fortschritt sichtbar machst.

Warum Marketing und Vertrieb so oft aneinander vorbeiarbeiten

Beide Bereiche verfolgen ein gemeinsames Ziel, aber sie werden oft an unterschiedlichen Zahlen gemessen. Das Marketing zählt Kontakte und Anfragen, der Vertrieb Abschlüsse und Umsatz. Wer an verschiedenen Zahlen gemessen wird, optimiert verschiedene Dinge.

Hinzu kommen unterschiedliche Arbeitsrhythmen. Marketing plant in Kampagnen und Monaten, der Vertrieb denkt in Gesprächen und Wochen. Ohne feste Abstimmung entstehen Lücken genau an der Stelle, an der ein Interessent vom einen zum anderen Bereich wechselt.

Die Folgen zeigen sich im Alltag: Leads bleiben liegen, Interessenten erhalten doppelte oder widersprüchliche Nachrichten, und niemand weiß, welche Maßnahme tatsächlich zum Abschluss geführt hat.

Was fehlende Abstimmung kostet

Wenn Marketing und Vertrieb nicht abgestimmt arbeiten, verlierst du auf mehreren Wegen. Kontakte, für die du Geld und Zeit eingesetzt hast, versanden. Der Vertrieb verbringt Zeit mit ungeeigneten Anfragen, und das Marketing optimiert nach Zahlen, die keinen Umsatz bringen.

Dazu kommt ein weicher, aber spürbarer Schaden: Misstrauen. Wer sich gegenseitig die Schuld gibt, teilt weniger Informationen und lernt langsamer. Das kostet auf Dauer mehr als jede einzelne Fehlentscheidung.

Was Zusammenarbeit zwischen Marketing und Vertrieb bedeutet

Die Zusammenarbeit von Marketing und Vertrieb ist die abgestimmte Gestaltung des gesamten Weges von der ersten Aufmerksamkeit bis zum Abschluss. Beide Seiten teilen Ziele, Begriffe, Daten und Verantwortung für den Kundenweg. Im Fachjargon fällt dafür häufig das Wort Smarketing, gemeint ist dasselbe Prinzip.

Wichtig ist: Zusammenarbeit heißt nicht, dass beide Bereiche dasselbe tun. Marketing schafft Aufmerksamkeit und Vertrauen, der Vertrieb führt Gespräche und schließt ab. Gemeinsam ist der Rahmen, nicht die Aufgabe.

Woran du gute Zusammenarbeit erkennst

  • Beide Seiten kennen die Ziele des jeweils anderen.
  • Es gibt eine gemeinsame, schriftliche Lead-Definition.
  • Übergaben laufen nach festen Regeln und mit klaren Fristen.
  • Rückmeldungen vom Vertrieb fließen regelmäßig ins Marketing zurück.
Menschen mit Stiften am Besprechungstisch: Abstimmung zwischen Marketing und Vertrieb
Foto: Dylan Gillis / Unsplash

Gemeinsame Ziele für Marketing und Vertrieb festlegen

Der erste Schritt ist ein Ziel, das beide Seiten tragen. Das kann ein Umsatzbeitrag aus Neukunden sein, eine Zahl qualifizierter Gespräche oder eine Abschlussquote aus Marketingkontakten. Entscheidend ist, dass beide Bereiche dafür Verantwortung übernehmen.

Ein gemeinsames Ziel zwischen Marketing und Vertrieb schafft außerdem eine gemeinsame Sprache für Erfolg und Misserfolg. Leite aus dem gemeinsamen Ziel Teilziele für beide Seiten ab. Das Marketing verantwortet dann etwa die Zahl und Qualität der übergebenen Kontakte, der Vertrieb die Bearbeitung und den Abschluss. So hängen die Zahlen zusammen, statt gegeneinander zu laufen.

Gerade bei der Planung der Mittel lohnt die gemeinsame Sicht. Wie du das Marketingbudget planen und mit dem Vertriebsziel verknüpfen kannst, beschreibt ein eigener Beitrag.

Beispiele für gemeinsame Kennzahlen

  • Qualifizierte Gespräche: Zahl der Termine, die beide Seiten als sinnvoll bewerten.
  • Abschlussquote aus Marketingkontakten: Anteil der übergebenen Kontakte, die zu Kunden werden.
  • Reaktionszeit: Dauer von der Übergabe bis zum ersten Kontakt.
  • Umsatzbeitrag aus Neukunden: Gemeinsame Zahl, die Marketing und Vertrieb verantworten.

Beschränke dich auf zwei oder drei Zahlen. Je mehr Kennzahlen du festlegst, desto schwerer fällt es beiden Seiten, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.

Die Lead-Definition: Wann ist ein Kontakt bereit?

Die meisten Konflikte entstehen an einer Frage: Ab wann ist ein Kontakt reif für den Vertrieb? Wenn beide Seiten unterschiedliche Antworten haben, ist Streit programmiert. Deshalb brauchst du eine gemeinsame Definition, die schriftlich vorliegt.

Bausteine einer brauchbaren Definition

  • Passung: Entspricht der Kontakt deinem Zielkunden, etwa nach Branche, Größe oder Rolle?
  • Interesse: Hat er sich aktiv gemeldet oder relevante Inhalte genutzt?
  • Zeitpunkt: Gibt es Hinweise auf konkreten Bedarf in absehbarer Zeit?
  • Erreichbarkeit: Liegen verwertbare Kontaktdaten und eine Einwilligung vor?

Entwickle die Definition gemeinsam und teste sie an realen Beispielen. Gehe zehn vergangene Kontakte durch und frage beide Seiten, ob sie übergeben worden wären. Abweichungen zeigen, wo die Kriterien nachgeschärft werden müssen.

Überprüfe die Definition nach einigen Wochen. Nur wenn der Vertrieb sagt, welche übergebenen Kontakte brauchbar waren, lernt das Marketing, worauf es achten muss.

Die Übergabe: So wird aus einem Kontakt ein Gespräch

Eine Übergabe ist mehr als eine E-Mail mit einem Namen. Sie ist ein Versprechen: Das Marketing liefert Kontext, der Vertrieb meldet sich innerhalb einer vereinbarten Frist. Ohne dieses Versprechen verpuffen gute Kontakte.

  1. Kriterien prüfen: Der Kontakt erfüllt die gemeinsame Lead-Definition.
  2. Kontext mitgeben: Im System steht, welche Inhalte der Kontakt genutzt und welche Fragen er gestellt hat.
  3. Zuständigkeit klären: Eine Person im Vertrieb wird automatisch oder nach Regel zugewiesen.
  4. Frist einhalten: Der Vertrieb meldet sich innerhalb der vereinbarten Zeit.
  5. Rückmeldung geben: Der Vertrieb markiert, ob der Kontakt passend war und wie es weiterging.

Der letzte Schritt wird am häufigsten vergessen und ist doch der wichtigste. Erst die Rückmeldung schließt den Lernkreislauf und verbessert die nächste Übergabe.

Eine Servicevereinbarung zwischen beiden Seiten

Halte die Regeln für die Übergabe in einer kurzen Vereinbarung fest. Das Marketing verspricht, eine bestimmte Zahl passender Kontakte mit Kontext zu liefern. Der Vertrieb verspricht, diese Kontakte innerhalb einer Frist zu bearbeiten und Rückmeldung zu geben.

Eine solche Vereinbarung zwischen Marketing und Vertrieb muss nicht juristisch sein. Eine Seite reicht, solange beide sie kennen und sich daran messen lassen.

Was bei nicht reifen Kontakten passiert

Nicht jeder Kontakt ist sofort bereit. Vereinbare, wie solche Kontakte weiter betreut werden. Das Marketing kann sie mit passenden Inhalten begleiten, bis sich Interesse und Zeitpunkt klären. Werkzeuge für solche Abläufe stellt der Beitrag zur Marketing-Automation vor.

Gemeinsame Daten und Werkzeuge nutzen

Zusammenarbeit braucht eine gemeinsame Informationsgrundlage. Marketing und Vertrieb sollten dieselben Kontaktdaten sehen, mit denselben Begriffen und demselben Stand. Ein CRM-System ist dafür der übliche Ort, muss aber nicht groß sein.

Wichtiger als der Funktionsumfang ist die Pflege. Wenn der Vertrieb Gespräche nicht einträgt oder das Marketing Quellen nicht erfasst, entstehen Lücken, die kein Werkzeug schließt. Lege fest, wer was wann einträgt, und kontrolliere es stichprobenartig.

Ein häufiger Fehler ist, zu viele Felder zu verlangen. Wenn die Pflege mühsam wird, tragen Menschen nichts mehr ein. Beginne mit wenigen Pflichtangaben und erweitere nur, wenn eine Frage wirklich nicht anders zu beantworten ist.

Mindestangaben pro Kontakt

  • Herkunft des Kontakts, etwa Kanal oder Aktion.
  • Status im Prozess, zum Beispiel neu, in Bearbeitung, abgeschlossen.
  • Letzter Kontaktpunkt und nächster Schritt.
  • Ergebnis, bei Verlust mit kurzem Grund.

Mit diesen wenigen Feldern lässt sich bereits erkennen, welche Quellen zu Abschlüssen führen und wo Kontakte hängenbleiben.

Datenschutz bei geteilten Kontaktdaten

Wenn Marketing und Vertrieb dieselben Kontaktdaten nutzen, gelten für beide dieselben Regeln. Kläre, auf welcher Grundlage du Kontakte ansprichst, wie lange du Daten speicherst und wer Zugriff hat. Dokumentiere Einwilligungen so, dass der Vertrieb sie einsehen kann.

Dieser Beitrag ist keine Rechtsberatung. Bei Unsicherheit hilft eine fachkundige Prüfung, etwa durch die oder den Datenschutzbeauftragten.

Abstimmung im Alltag: Rhythmus und Regeln

Gute Absprachen halten nur, wenn sie im Alltag gepflegt werden. Ein fester Rhythmus verhindert, dass Themen erst dann auf den Tisch kommen, wenn es Streit gibt.

  • Kurzes Treffen alle ein bis zwei Wochen: Feste Tagesordnung mit Zahlen, Beispielen und offenen Punkten.
  • Monatliche Auswertung: Welche Kanäle liefern Abschlüsse, welche nur Kontakte?
  • Quartalsweise Überprüfung: Passen Definition, Ziele und Prozess noch?

Bringe in die Treffen echte Fälle mit. Ein konkreter Kontakt, der nicht zurückgerufen wurde, sagt mehr als eine abstrakte Statistik. Achte auf einen sachlichen Ton: Es geht um den Prozess, nicht um Schuld.

Agenda für das Abstimmungstreffen

  1. Zahlen der Woche: Übergebene Kontakte, bearbeitete Kontakte, vereinbarte Gespräche.
  2. Zwei Fälle: Ein guter und ein schwieriger Kontakt, offen besprochen.
  3. Hindernisse: Was hat die Arbeit der letzten Woche gebremst?
  4. Beschlüsse: Wer macht bis wann was?

Halte das Treffen kurz, etwa eine halbe Stunde. Kürze zwingt zur Konzentration und erhöht die Chance, dass beide Seiten dabeibleiben.

Ein hypothetisches Beispiel

Stell dir ein B2B-Unternehmen vor, das Software für Handwerksbetriebe anbietet. Das Marketing übergibt jede Woche viele Anfragen, der Vertrieb ruft nur einen Teil zurück und hält die Qualität für schwach. Das Marketing empfindet das als Missachtung seiner Arbeit.

In einem gemeinsamen Termin sammeln beide zwanzig übergebene Kontakte und bewerten sie. Dabei zeigt sich: Viele Anfragen kamen von Studierenden und Wettbewerbern, die nie kaufen würden. Das Team ergänzt die Lead-Definition um Kriterien zur Firmengröße und zur Rolle.

Zusätzlich vereinbart es, dass jede übergebene Anfrage innerhalb eines Werktags bearbeitet wird. Nach einigen Wochen gibt der Vertrieb Rückmeldungen im CRM, und das Marketing passt seine Formulare an. Das Beispiel ist erfunden, zeigt aber das übliche Muster: Klare Regeln lösen mehr als gute Vorsätze.

Typische Stolpersteine und wie du sie umgehst

Auch mit gutem Willen gibt es Hindernisse. Wenn du sie kennst, kannst du gegensteuern.

  • Keine gemeinsame Sprache: Begriffe wie Lead, Anfrage oder Chance bedeuten für beide Seiten Verschiedenes. Schreibe ein kleines Glossar.
  • Fehlende Führungsunterstützung: Ohne Rückendeckung der Geschäftsführung bleiben Absprachen unverbindlich.
  • Zu viele Kennzahlen: Wähle wenige Zahlen, die beide gemeinsam verantworten.
  • Schuldzuweisungen: Frage nach Ursachen im Prozess, nicht nach Verantwortlichen.

Plane außerdem Zeit für Veränderung ein. Neue Abläufe fühlen sich anfangs umständlich an, und alte Gewohnheiten kehren schnell zurück. Wer in den ersten Wochen konsequent bleibt und kleine Erfolge sichtbar macht, überzeugt auch skeptische Kolleginnen und Kollegen.

Beziehe die Geschäftsführung früh ein. Welche Zahlen sie interessieren, zeigt der Beitrag über Marketing-KPIs für die Geschäftsführung. Eine gemeinsame Kennzahl zwischen Marketing und Vertrieb stärkt die Verbindlichkeit.

Kleine Gewohnheiten mit großer Wirkung

  • Der Vertrieb besucht einmal pro Quartal einen Termin des Marketings und umgekehrt.
  • Marketing hört in einigen Verkaufsgesprächen mit, um Einwände und Fragen kennenzulernen.
  • Der Vertrieb liefert Fragen aus Gesprächen als Themen für Inhalte.
  • Beide Seiten feiern gemeinsam Abschlüsse, die aus einer Kampagne entstanden sind.

Solche Gewohnheiten kosten wenig Zeit und verändern die Haltung. Marketing und Vertrieb verstehen den Alltag des anderen und urteilen weniger vorschnell.

Fazit

Marketing und Vertrieb arbeiten besser zusammen, wenn sie gemeinsame Ziele, eine schriftliche Lead-Definition und eine verbindliche Übergabe haben. Hinzu kommen eine geteilte Datenbasis und ein fester Rhythmus für Abstimmung und Rückmeldung.

Denke langfristig. Zusammenarbeit entsteht nicht durch einen Workshop, sondern durch wiederholte, verlässliche Abstimmung. Wenn Marketing und Vertrieb über Monate zeigen, dass sie Absprachen einhalten, wächst das Vertrauen von allein.

Beginne klein: Setze beide Seiten an einen Tisch, definiere gemeinsam einen guten Lead und vereinbare eine Frist für die Bearbeitung. Wenn Marketing und Vertrieb aus Zahlen lernen statt Schuld zu verteilen, wächst aus zwei Abteilungen ein Team mit einem gemeinsamen Ziel.

Häufige Fragen zu Marketing und Vertrieb

Wer sollte die Lead-Definition festlegen?

Marketing und Vertrieb gemeinsam, idealerweise mit Beteiligung der Geschäftsführung. Nur so tragen beide Seiten die Kriterien mit und können sie später auf Basis von Erfahrungen anpassen. Halte die Definition schriftlich fest und überprüfe sie in festen Abständen anhand echter Beispiele.

Wie oft sollten sich Marketing und Vertrieb abstimmen?

Ein kurzes Treffen im Abstand von ein bis zwei Wochen reicht oft aus, wenn es eine feste Tagesordnung gibt. Wichtiger als die Häufigkeit ist die Verbindlichkeit. Ergänze das Treffen um eine monatliche Auswertung der Kanäle und eine quartalsweise Überprüfung der gemeinsamen Ziele.

Brauchen wir dafür ein großes CRM-System?

Nicht zwingend. Entscheidend ist, dass beide Seiten dieselben, aktuell gepflegten Daten sehen. Auch ein schlankes System kann genügen, wenn die Pflege diszipliniert erfolgt. Lege fest, wer welche Angaben einträgt, und kontrolliere die Qualität der Einträge regelmäßig, damit Marketing und Vertrieb sich auf dieselben Zahlen verlassen können.

Warum klagt der Vertrieb so oft über die Qualität der Leads?

Häufig fehlt eine gemeinsame Definition, wann ein Kontakt reif für ein Gespräch ist. Dann übergibt das Marketing Kontakte, die der Vertrieb als zu früh bewertet. Mit klaren Kriterien, Beispielen und Rückmeldungen aus dem Vertrieb lässt sich die Qualität Schritt für Schritt verbessern.

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